Sehen lernen

Dass in unserem Zeitalter der Bilder die Wirklichkeit zunehmend konsumierbar geworden ist, fällt kaum mehr auf. Einen seiner reduktivsten Zugriffe vollstreckt die Pornographie, die die ewig fragende Sehnsucht nach lustvoller Bejahung im seriellen Bild zum Schweigen bringt. Eine traurige Wahrheit ist, dass das totgestöhnte Schweigen in diesem Land vergleichslos laut hallt (1). Welcher deutsche Mann kann einer schönen Frau heute noch absichtslos in die Augen schauen? Wenn aber der Blick des Mannes auf die Frau gleichsam kollektiv konditioniert ist, steht die Frage nach der Wahrheit von Jesu Empfehlung „Ich aber sage Euch: „Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ vielleicht stärker auf als je zuvor.

Könnte nicht eine Wahrheit Jesu darin bestehen, vor eben jenem Gedanken zu bewahren, dessen Ursprung nicht erst der ersehnte fremde Koitus als die bereits lustvoll duldende Anwandlung seiner Ahnung ist. Weniger Lustfeindschaft als die sanfte Umsicht des Vaters, seinem Sohn jene Erfahrung zu ersparen, deren Le(e)(h)re immer schon feststand: die Tat ist so falsch wie die Ahnung von ihr. Somit weniger Drohbotschaft als ein Ideal der Reinheit, desssen scheiternde Umsetzung immer schon bejaht ist, weil das Gute allein in der ständigen Bewährung zu erlangen ist. Überforderung als Bedingung.
Dies hieße dann, neu sehen zu lernen. Reine Achtsamkeit als immerwährende Übung. Allein, welcher Mann könnte dies. Sogar den treuesten wäre zu unterstellen, dass das Wagnis ihres Blickes stets auch jenem melancholischen Phantomschmerz geschuldet ist, einer Frau nie wieder die Welt zu Füßen legen zu können.
Kann es eine Sinnlichkeit des Blickes aussehen, die nicht dem Dogma der Leibfeindlichkeit noch reiner Gier verfällt? Zart, wachsam, dabei  nicht steril. Eine Antwort fällt schwer. Dem Islam ist dieser Spagat nicht gelungen, dem Westen gelingt er immer seltener. Der tristen Feigheit der Burka entspricht die traurige Routine der Onanie, der blinden Selbstbespiegelung mechanisch Abtreibender der inspizierende Ausblick auf die im Besitz Befindliche(n).
Beides Symptome ausgebliebener Sublimierung und währende Mahnung, dass die Wahrheit von Jesu Satz stets neu errungen werden muss. Der rechte Blick als Herzensbildung. Auch diese eine Art Nachfolge.
(1) https://www.netzsieger.de/ratgeber/internet-pornografie-statistiken)
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