Verwandtschaft im Tode

Die gesellschaftlich erfolgreichsten Gleichberechtigungsbewegungen (Feminismus und Homosexualität) müssen mit dem Widerspruch leben, jenen die Aufmerksamkeit zu entziehen, die sich am dringendsten benötigten: Ungeborenen und bald Sterbenden. Der Diskurs um  mehr Gerechtigkeit in unserer bis an die Grenze der Mehrheitsdiskriminierung gehenden egalitaristischen Gesellschaft ist belegt von einer laut tönenden Minderheit und er mutet umso absurder an, bedenkt man seine Erfolge: Je mehr erreicht wird, desto lauter ertönen die Forderungen. Vom Tabubruch der Erwähnung des Wortes „schwul “ in Praunheims Debüt bis zu Volker Becks Konfettikanone und einem Adoptionsrecht in nur 36 Jahren. Die sexuelle Identität ins Grundgesetz einzuschreiben, wäre da nur konsequent, wenngleich ein unabsehbarer Handstreich. Da ein Ende der Anklage erst bei einem völligen Verlust der auf ewiger Differenz beruhenden Geschlechtlichkeit zu erwarten wäre, ist kein Verstummen absehbar. Zumal eine opponierende wertkonservative Identitätspolitik seit dem Tod des Naturrechts zur Sprachlosigkeit verdammt ist.

Gerechtigkeit für alle kann es nicht geben, die Interessen der Lebenden und zum Tode Verurteilten widersprechen sich. Der wahlweise zum Zellhaufen oder zum Embryonalgewebe aus dem Leben bezeichnete Mensch, der nie Leben war und darum nicht leben braucht, ist ein Angriff auf die Unversehrtheit der Frau, die Lust will, ohne mit ihrem Körper dafür zu bürgen; wie auch auf den Homosexuellen, der will, aber nicht kann, wofür ihn die Natur nicht bestimmt hat. Drängt die Frau ihr Kind aus dem Leben, zwängt der Homosexuelle es hinein. Beide spielen Schöpfer und wachen eifersüchtig darüber, nicht gestört zu werden.

Die Alten aber, ohne die es jene lärmenden Zukunftsverweigerer und -erzwinger nie gegeben hätte, stehen still in Ecke. Stumme Betrachter einer Zeit, die nicht mehr die ihre ist. Es sind ihre Kinder, die sich dort aufführen und dafür sorgen, dass man sie vergisst. Sie leben und sind doch nicht. Das verbindet sie mit ihren einstigen Nachkommen.

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